Bid und Ask, Spread und Slippage
Warum ein Kauf etwas mehr kostet als der angezeigte Kurs, wie du den Abstand erkennst und welche Order dafür passt.
Jeder Handel hat zwei Preise: einen zum Kaufen und einen zum Verkaufen.
Der Abstand dazwischen ist klein, aber er fällt bei jedem Kauf und jedem Verkauf an.

Das Problem
Warum du mehr zahlst, als der Kurs zeigt
Du siehst bei einem Coin einen Kurs von 100 Euro, kaufst und stellst fest: Bezahlt hast du etwas mehr. Verkaufst du gleich wieder, bekommst du etwas weniger zurück.
Das ist kein Fehler der Börse. Ein Markt hat in jedem Moment zwei Preise: den höchsten Betrag, den gerade jemand zahlen will, und den niedrigsten Betrag, zu dem gerade jemand verkauft. Der angezeigte Kurs ist oft nur der zuletzt gehandelte Preis oder die Mitte zwischen beiden.
Wer diese zwei Preise kennt, versteht drei Dinge auf einmal: was ein Kauf wirklich kostet, warum große Orders bei kleinen Coins teurer werden und wann sich eine Limit Order lohnt.
- Schritt 1Beide Preise ansehen. Wie hoch sind Bid und Ask gerade, und wie groß ist der Abstand?
- Schritt 2Die Menge abgleichen. Reicht die Menge, die zum besten Preis angeboten wird, für deinen Kauf?
- Schritt 3Die Order wählen. Sofort zum Marktpreis oder mit einer festen Preisgrenze?
- Schritt 4Gebühren dazurechnen. Was kostet die Ausführung zusätzlich zum Abstand der Preise?
Die Begriffe
Bid, Ask und Spread
Der Bid ist das höchste Kaufgebot, das gerade im Markt steht. Der Ask ist das günstigste Verkaufsangebot.
Willst du sofort kaufen, nimmst du das günstigste Verkaufsangebot an und zahlst den Ask. Willst du sofort verkaufen, nimmst du das höchste Kaufgebot an und bekommst den Bid. Der Ask liegt immer über dem Bid, sonst wären sich Käufer und Verkäufer längst einig geworden.
Der Abstand zwischen beiden heißt Spread, ausgeschrieben Bid-Ask Spread. Er wird in Euro angegeben oder in Prozent des Kurses. Bei großen, viel gehandelten Coins ist er oft winzig, bei kleinen Coins mit wenig Handel kann er mehrere Prozent betragen.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Bid | Höchstes Kaufgebot, das du beim Verkaufen bekommst | 99,75 € |
| Ask | Günstigstes Verkaufsangebot, das du beim Kaufen zahlst | 100,25 € |
| Spread | Abstand zwischen Ask und Bid | 0,50 € oder 0,5 % |
Bei Aktien ist es genauso. Auch an einer Aktienbörse stehen für jede Aktie ein Geldkurs (Bid) und ein Briefkurs (Ask). Wer die beiden Begriffe einmal verstanden hat, liest damit auch den Kurszettel einer Aktie.
Das Orderbuch
Woher die zwei Preise kommen
Bid und Ask stammen aus dem Orderbuch. Es ist die Liste aller offenen Kauf- und Verkaufsaufträge zu einem Coin.
Auf der einen Seite stehen die Kaufaufträge, nach Preis sortiert, das höchste Gebot oben. Auf der anderen Seite stehen die Verkaufsaufträge, das günstigste Angebot oben. Zu jedem Preis steht die Menge, die dort gekauft oder verkauft werden soll.

Je mehr Aufträge nahe beieinander stehen, desto enger ist der Spread und desto mehr kannst du kaufen, ohne den Preis zu bewegen. Diese Tiefe nennt man auch Liquidität. Ein dünnes Orderbuch hat große Lücken zwischen den Preisen und wenig Menge je Stufe.
Rechenbeispiele
Was der Spread und die Slippage kosten
Mit erfundenen Werten: Du kaufst für 1.000 Euro einen Coin und verkaufst ihn sofort wieder. Der Kurs hat sich nicht bewegt. Gebühren bleiben außen vor.
Bei einem Spread von 0,5 Prozent zahlst du beim Kauf den etwas höheren Ask und bekommst beim Verkauf den etwas niedrigeren Bid. Zurück kommen rund 995 Euro. Rund 5 Euro hat der Spread gekostet, obwohl der Kurs gleich geblieben ist.
| Spread | Ungefähre Kosten | Zurück nach dem Verkauf |
|---|---|---|
| 0,1 % | rund 1 € | rund 999 € |
| 0,5 % | rund 5 € | rund 995 € |
| 2 % | rund 20 € | rund 980 € |
Slippage ist etwas anderes. Sie entsteht, wenn deine Order größer ist als die Menge zum besten Preis. Dann wird der Rest zum nächsten, schlechteren Preis im Orderbuch ausgeführt.
Ein Beispiel mit erfundenen Werten: Du willst 1.000 Coins kaufen. Zum Ask von 1,00 Euro stehen 500 Coins bereit, die nächsten 500 kosten 1,04 Euro. Du zahlst 500 Euro und 520 Euro, zusammen 1.020 Euro. Im Schnitt hast du 1,02 Euro je Coin bezahlt, 2 Prozent mehr als der angezeigte Ask.
Der Spread kostet bei jeder Order. Die Slippage kostet, wenn die Order größer ist als das Angebot zum besten Preis.
Order-Arten
Market Order oder Limit Order
Wie viel Spread und Slippage dich kosten, hängt auch davon ab, wie du deinen Auftrag erteilst.
Market Order
Eine Market Order wird sofort zum besten verfügbaren Preis ausgeführt. Du bekommst den Kauf sicher, aber den Preis nimmst du, wie das Orderbuch ihn gerade hergibt, auch über mehrere Stufen.
Limit Order
Eine Limit Order nennt den höchsten Preis, den du beim Kauf zahlst, oder den niedrigsten, den du beim Verkauf annimmst. Den Preis legst du fest, ob und wann sie ausgeführt wird, nicht.
Stop-Loss Order
Eine Stop-Loss Order wird erst aktiv, wenn ein Kurs erreicht ist, und verkauft dann. In schnellen Märkten kann sie deutlich unter dem gewählten Kurs ausgeführt werden.
Bei großen Coins mit engem Spread macht die Wahl der Order bei kleinen Beträgen wenig aus. Bei kleinen Coins, großen Beträgen oder hektischen Märkten schützt eine Limit Order vor einem Preis, den du so nicht wolltest. Den Unterschied erklärt auch die Frage Market Order und Limit Order.
Fehlerquellen
Wo die Kosten beim Handeln versteckt sind
Das hilft dir
Wer die Preise liest, zahlt bewusst.
Beide Kurse ansehen
Ein Blick auf Bid und Ask zeigt dir den Spread, bevor du kaufst.
Eine Preisgrenze setzen
Mit einer Limit Order zahlst du nie mehr als den Preis, den du festgelegt hast.
Kleinere Teile
Wer eine große Order aufteilt, nimmt weniger Stufen des Orderbuchs auf einmal.
Hier lauern Kosten
Der angezeigte Kurs ist nicht dein Preis.
Gebührenfrei heißt nicht kostenlos
Manche Apps verlangen keine Gebühr, rechnen aber einen größeren Spread in den Preis ein.
Dünne Märkte
Bei kleinen Coins kann schon ein mittlerer Betrag mehrere Stufen des Orderbuchs aufbrauchen.
Hektische Minuten
Bei starken Kursbewegungen weiten sich Spreads, und Orders werden schlechter ausgeführt.
Praktische Fragen
So prüfst du deinen nächsten Kauf
- Spread: Wie groß ist der Abstand zwischen Bid und Ask, in Euro und in Prozent?
- Menge: Wie viel wird zum besten Preis angeboten, und reicht das für deinen Betrag?
- Order: Brauchst du den Kauf sofort, oder reicht ein fester Preis mit etwas Geduld?
- Kosten: Welche Gebühr kommt zum Spread dazu, und wie hoch ist beides zusammen?
- Rückweg: Was würdest du heute beim Verkauf bekommen, also zum Bid statt zum Ask?
Diese Fragen ersetzen nicht die wichtigere Frage, ob der Kauf überhaupt zu dir passt. Sie sorgen nur dafür, dass du den Preis kennst, den du am Ende wirklich zahlst.
R4X Merksätze
Fünf Sätze, die bleiben
- Der Ask ist dein Kaufpreis, der Bid dein Verkaufspreis.
- Der Spread fällt bei jedem Kauf und jedem Verkauf an.
- Slippage entsteht, wenn deine Order größer ist als das beste Angebot.
- Eine Limit Order legt den Preis fest, nicht den Zeitpunkt.
- Bei Aktien heißen Bid und Ask Geldkurs und Briefkurs.
Weiter im System
Wo du ansetzen kannst
Einen Kauf mit Abstand prüfen
Bevor du eine Order abschickst: Prüfe Grund, Kosten und offene Punkte deiner Kaufüberlegung Schritt für Schritt.
Kauf Check öffnenEinordnung
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Inhaltlicher Stand: November 2026